Post Corona: Was wird wirklich „New Normal“?

Keine Frage, die Coronakrise hat schnell viel verändert in unserer Art zu leben, zu arbeiten und Geschäfte zu machen. Die Auguren überschlagen sich inzwischen mit Prognosen, welche Veränderungen zum „New Normal“ werden. Für Unternehmen ist diese Frage von enormer Tragweite, denn von der richtigen Einschätzung der mittel- und langfristigen Entwicklung in der Zeit nach Corona hängt ab, welche Weichenstellungen oder gar radikalen Änderungen im Angebot oder im Geschäftsmodell erforderlich werden, um zukunftsfähig bleiben zu können. Auch wenn jetzt Visionäre und Innovateure mehr denn je gefragt sein werden, zu schnelle Prognosen sind mit Vorsicht zu genießen. Wir dürfen annehmen, das gewisseste „New Normal“ wird die Ungewissheit sein. Die spannende Frage ist, wie man trotzdem agil Chancen identifiziert und nutzt, und wie man sich in wahrscheinlich immer öfter wechselnden Szenarien und Krisen genug Widerstandskraft aufbaut, um langfristig zu bestehen.

Nachhaltig wachsende Onlineaktivitäten?

Inzwischen gibt es erste Studien zur Frage, wie sich Verhalten und Einstellungen bei den Menschen verändert haben und was in welchem Maße davon nachhaltig sein wird. So hat das MaFo-Institut GlobalWebindex, mit dem unser internationales Agenturnetzwerk Worldwide Partners zusammenarbeitet, bereits im März/April Onlinestudien in 17 Ländern und drei Wellen durchgeführt. Befragt wurden 15.000 Probanden zwischen 16 und 64 Jahren. Dabei wurde das Mediennutzungsverhalten, Lebensgestaltung und Konsumverhalten abgefragt (https://www.globalwebindex.com/coronavirus). Besonders interessant ist der Abgleich zwischen selbst eingeschätzter künftiger Verhaltensänderung, tatsächlicher Veränderung und fundierter Prognose. Eines sei den Ergebnissen vorweggenommen: Ja, es hat sich einiges verändert. Aber es ist noch viel zu früh, um nachhaltige und signifikante Trends verlässlich zu prognostizieren. Es wird wohl viel „Back to Old Normal“ geben, auch wenn Corona in manchen Bereichen als Beschleuniger wirken wird. Hier nur ein paar Beispiele für diese Einschätzung:

Onlinekauf: Über alle untersuchten Länder hinweg gab es während der Pandemiephase im März/April einen Zuwachs in der Onlinekäuferbasis von 8%. Das ist viel, aber eher kein echter Erdrutsch. Im Moment zeichnet sich ein wahrscheinliches, nachhaltiges Wachstum in der Onlinekäuferschaft von im Durchschnitt 3% für die Zeit nach der Pandemie ab. Trend und Wachstum sind da, aber eher evolutionär und moderat.

Mediennutzung: Ein oft zitierter Indikator für verstärkte digitale Unterhaltungs- und Onlineaktivitäten sind die Streamingangebote. Hier ergab sich eine Ausweitung der Nutzerbasis international um 10%. In der öffentlichen Wahrnehmung oder Selbsteinschätzung erscheint die Nutzung dieser Angebote gefühlt deutlich größer. Und innerhalb der Altersklassen ergeben sich auch noch einmal signifikante Unterschiede, die eher nicht auf eine nachhaltige Revolution hindeuten. Insgesamt zeichnet sich ein wahrscheinliches, nachhaltiges Wachstum in der Nutzerschaft von überschaubaren 2% für die unmittelbare Zeit nach der Pandemie ab. Nahezu alle webbasierten Freizeitaktivitäten werden sich auf diesem niedrigen einstelligen Niveau entwickeln.

Lebensgestaltung: Die Wiederentdeckung des „Home Cookings“ wird ebenso gerne als Indikator für signifikant verändertes Verhalten zitiert. Die Realität: Nach kurzer Zeit war der Hype besonders bei den bis 24-Jährigen verflogen und in Welle 2 gab es nur bei den 55-64-Jährigen noch einen kleinen Zuwachs. Realistisch prognostiziert wird ein nachhaltiges Wachstum von 9% unter den Hausköchen. Zu einer Krise in der Gastronomie und bei den Lieferandos dieser Welt wird auch das nicht führen, aber vielleicht Chancen für interessante neue Angebote in diesem Segment kreieren, das möglicherweise als einer der Gewinner aus der Krise hervorgehen könnte.

Brand Purpose - Marken mit Haltung

Einstellungen gegenüber Unternehmen und Marken: Ein weiteres neues Zauberwort – „Brand Purpose“. Viele Umfragen zeigen, dass in Zeiten der Pandemie Verbraucher sehr viel genauer und intensiver darauf achten, wie sich Unternehmen und Marken verhalten, und ob sie sich als wertvoller Informationsgeber und Helfer präsentieren. Aber ist das mehr als nur eine Momentaufnahme? Ist nicht eher zu vermuten, dass bald wieder die Vor-Corona-Themen wie Umwelt und Klima in der Bedeutung weiter oben stehen, und dass Brand Purpose sich an diesen langfristigen Themen orientieren muss, über die der Druck vor der Pandemie enorm gestiegen ist? Man darf vermuten, dass Corona die Grundsensibilität bei den Menschen hier grundsätzlich noch verstärkt und der Druck zur Veränderung hoch bleibt. Wer in alten Positionen verharrt, wird nicht als Gewinner in die Zukunft gehen.

Es gibt zwar keinen Grund zur Panik für die eigene Neuausrichtung oder Transformation und eine gesunde Skepsis gegenüber verbreiteten Prognosen ist ratsam, aber man sollte trotzdem keinesfalls zu lange damit warten, schon jetzt in den Zukunftsmodus zu schalten. Es gilt, unverzüglich mit der Analyse zu beginnen und zügig neue Chancen für sich auszumachen. Viele Wettbewerber machen sich bereits auf den Weg. Der nachhaltige Herausforderer wird der Wettbewerb sein, nicht der Virus. Digitalisierung und digitale Transformation werden ganz offensichtlich eine große Rolle beim New Normal spielen. So gesehen wird Corona auch hier ein Impuls sein, einen Gang höher zu schalten und neue Ideen und eigene Visionen für innovative und zukunftsfähige Angebote und Prozesse auf die Agenda zu setzen. Die digitalen Erfahrungen von Unternehmen in der Pandemie werden nach momentaner Meinungs- und Stimmungslage in den Unternehmen dazu führen, dass unsere mittelbare Zukunft und unsere Art zu arbeiten und Geschäfte zu machen schnell sehr hybrid sein wird, digital und persönlich, New und Old Normal, definitiv mit mehr digital als bisher.

Aktuell zentrale Fragen sind daher u.a.: Wie plane ich in Zeiten von Corona und Homeoffice? Wie komme ich kurzfristig unter erschwerten Bedingungen wieder zu mehr Geschäft? Wie stelle ich jetzt die Weichen für die Zukunft? Eine gute Antwort bietet unser Business Creator, ein virtuelles bzw. hybrides Planning Tool im Workshopformat, für kurzfristige kreative Businessideen/Maßnahmen oder für langfristige Marketingplanungen, räumlich ungebunden, national und international einsetzbar. Wir helfen Ihnen gerne!

https://waechter-waechter.de/news/business-creator-restart-und-replanning


Marco Ludwig

Geschäftsführer der Wächter & Wächter Werbeagentur München, einer Tochter der Wächter & Wächter Worldwide Partners.

m.ludwig@waechter-waechter.de